„Ein kluges Urteil beginnt mit den richtigen Fragen“

Im Vorfeld ihres Auftritts beim 25. PAWLIK Congress haben wir mit Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft, darüber gesprochen, wie KI wirtschaftliche Entscheidungen und die Fähigkeiten beeinflusst, auf die es künftig besonders ankommt.

1. Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Schnitzer, als Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft arbeiten Sie mit großen Mengen wirtschaftlicher Daten. Welche Rolle kann KI dabei spielen, daraus zu einem guten wirtschaftlichen Urteil zu kommen?

KI kann Informationen extrem schnell verarbeiten und Optionen aufzeigen. Ein kluges wirtschaftliches Urteil entsteht aber erst, wenn jemand die richtigen Fragen stellt, Zusammenhänge aufzeigt und abwägt, welche Chancen und Risiken wirklich relevant sind.

2. Wenn KI immer mehr Aufgaben standardmäßig übernimmt: Womit können Unternehmen dann künftig noch Wettbewerbsvorteile kreieren?

Wenn KI zum Standard wird, liegt der Wettbewerbsvorteil weniger im Zugang zur Technologie als in ihrer intelligenten Nutzung, um daraus neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und gute Entscheidungen zu treffen. Dabei bleiben Kreativität, Urteilskraft, Verantwortung und die Zusammenarbeit mit anderen Menschen unersetzbar.

3. Sind wir in Deutschland dafür ausreichend qualifiziert?

Deutschland hat eine starke fachliche Basis, aber wir müssen deutlich stärker in KI-Kompetenz investieren.

4. Was heißt das konkret für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden?

Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden nicht nur im Umgang mit neuen Tools schulen, sondern vor allem darin, Ergebnisse kritisch zu prüfen, gute Fragen zu stellen und KI mit ihrem eigenen Fachwissen zu verbinden.

5. Wenn wir in die Zukunft schauen, in der sich KI immer schneller weiterentwickelt und immer mehr Aufgaben übernimmt: Welche menschliche Leistung bleibt auch dann unersetzbar?

Am schwersten ersetzbar ist für mich menschliche Urteilskraft: in einer neuen, unübersichtlichen Situation zu erkennen, was wirklich wichtig ist, unterschiedliche Interessen und Folgen abzuwägen und am Ende Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen.

Bildnachweis: Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schnitzer @bundesfoto/Lammel

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